ERFOLGREICHE AUFBAUARBEIT IN 17 JAHREN
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Albert-Schweitzer-Schule braucht neuen Leiter
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Ausbau zum regionalen Kompetenzzentrum
von Jürgen Dreher
| Schwarzwald-Baar – Der
Leiter der Albert-Schweitzer-Schule in VS-Villingen,
Erwin
Eisenmann, geht nach 17 Jahren jetzt am 31. Juli in den Ruhestand. Einen
Nachfolger für ihn gibt es allerdings noch nicht: Das Auswahlverfahren
war mangels
passender Bewerber bislang erfolglos und muss auf der Suche nach einem
geeigneten Kandidaten neu aufgerollt werden. In der Zwischenzeit
übernimmt die
stellvertretende Schulleiterin Gertrud Schwarzwälder kommissarisch die
Verantwortung für die Schule. Dass sich die Nachfolgersuche bislang schwierig gestaltet, hat sicherlich auch einiges mit der anspruchsvollen Aufgabe zu tun, die Eisenmann vor 17 Jahren übernommen hat. Die Albert-Schweitzer-Schule ist eine der großen Berufsschulen der Region: Hier werden rund 1100 Schüler unterrichtet, und zwar in einer enormen Vielfalt von Ausbildungsgängen, die es im Regierungsbezirk in diesem Umfang wohl nur noch in Freiburg gibt. Diese reichen vom Berufsvorbereitungsjahr für die Abgänger von Förderschulen über den Blockunterricht für Lehrlinge, die hier begleitend zur praktischen Ausbildung in den Betrieben ausgebildet werden, bis hin zu diversen Gymnasialzweigen, deren erfolgreiche Absolventen übrigens längst nicht mehr ein eingeschränktes Fachabitur machen, sondern allesamt die allgemeine Hochschulreife erhalten. |
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| „Was in Freiburg in drei verschiedenen Schulen unterrichtet wird, gibt es bei uns unter einem Dach“, sagt Eisenmann stolz: „Wir haben für jeden begabten Schüler ein Angebot“. Der Einzugsbereich der Schule reicht bis zum Bodensee, bis nach Sigmaringen, nach Oberndorf und in die Ortenau.
An diesem Ausbau der Albert-Schweitzer-Schule hat Eisenmann einen großen Anteil. Anfang der 90er Jahre war die Schule noch auf Land- und Hauswirtschaft spezialisiert. Seither ist sie auch zum regionalen Kompetenzzentrum, so Eisenmann, für angewandte Naturwissenschaften, für pflegerische Berufe und Sozialpädagogik weiterentwickelt. Es gibt beispielsweise ein Berufskolleg für Agrar- und Umweltanalyse, ferner wurde eines der ersten Biotechnologischen Gymnasien eingerichtet. Das Sozialwissenschaftliche Gymnasium verzeichnet drei- bis viermal mehr Bewerber als Plätze, obendrein gehört noch ein Ernährungswissenschaftliches Gymnasium dazu. Und dabei dürfe die Schule nicht stehenbleiben, sondern müsse Berufsausbildungsgänge immer wieder modernisieren, um mit der Entwicklung der Wirtschaft Schritt zu halten. Gibt es aber im Schulalltag nicht ab und zu Probleme unter den Schülern, die mit so unterschiedlichen Abschlüssen, Schulbiographien und Zielen an die Schule kommen? „Es läuft überraschend
gut“,
sagt Eisenmann, und wenn es einmal „Gezänk“ gebe, dann eher innerhalb
als
zwischen den Klassen. „Die Schüler kommen ja auch erst mit 15, 16 Jahren
zu
uns, da haben sie die Pubertät schon hinter sich gelassen“, so der
scheidende
Schulleiter. Sehr erfolgreich sei beispielsweise die Schularten
übergreifende
Projektwoche der Schule auf der Landesgartenschau verlaufen, bei der
sich von
den Floristen-Azubis über die Hauswirtschafterinnen bis hin zu den
Sozialpädagogik-Schülern fast alle einbringen konnten. Wobei es die
Schüler heute
schwerer hätten
als früher, gibt Eisenmann zu bedenken. Die Welt sei komplizierter
geworden,
die medialen Einflüsse vielfältiger, und von zu Hause erhielten längst
nicht
mehr so viele die nötige Unterstützung. „Die Schüler müssen heute
blitzschnell
aussortieren, was für sie wichtig ist und was nicht.“ Dabei reagierten
viele
unglaublich positiv auf jede Art von Zuwendung der Lehrkräfte: Das war
vor 20
Jahren so noch nicht nötig, sagt Eisenmann: „Das ist natürlich auch eine
ziemliche Herausforderung für die Lehrer“. Müssen die Lehrer da auch manchmal Elternersatz sein? „Man wird schon in dieser Richtung gefordert“, räumt der Schulleiter ein, „und das ist es auch, was manche Kollegen dann manchmal erschöpft“. Zum Glück gebe es die Schulsozialarbeiterin: „Sie kann da eine ganze Menge auffangen. Eine sehr wichtige Arbeit, die müsste man noch ausbauen“ – anstatt, wie nach dem Amoklauf von Winnenden diskutiert, in den Schulen vor allem bei technischen Sicherheitsmaßnahmen aufzurüsten. In solch einer vielgestaltigen Institution mutiert ein Schulleiter ganz von allein zum hauptberuflichen Manager. Fragt man Eisenmann, was sein Nachfolger mitbringen muss, sagt der 63-Jährige, der aus St.Georgen stammt und von Haus aus Diplom-Chemiker ist: „Er muss in erster Linie belastbar sein, Einfühlungsvermögen gegenüber Schülern und Lehrerkollegen sowie Freude an organisatorischen Aufgaben haben, und er muss mit dem Frust zurecht kommen, nicht mehr so viel unterrichten zu können“. Wobei er, so Eisenmann an seinen noch unbekannten Nachfolger, an der Albert-Schweitzer-Schule auf ein „unglaublich engagiertes Lehrerkollegium“ bauen könne. Umso schöner dürfte für Eisenmann sein, dass er zum Abschluss seiner Berufslaufbahn noch die Entstehung des lange ersehnten Erweiterungsbaus erleben kann. Denn die Attraktivität der Schule hatte über Jahre auch eine Schattenseite: akuter Raummangel und Auslagerung von Klassen in über die ganze Stadt verteilte Unterrichtsräume. Nach jahrelangen Bemühungen geht der Neubau mit vier Unterrichts- und weiteren Fachräumen nun seiner Fertigstellung entgegen – dem großen Investitionspaket sei Dank, mit dem der Landkreis das Berufsschulwesen insgesamt für die Zukunft fit machen will. Einziehen darf dort übrigens die sozialpädagogische Abteilung. Südkurier, 19.07.2010 |
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